Pflanzennamen – ein Kapitel für sich!
Mancher Gartenanfänger – und nicht nur der – stöhnt, wenn er
in Gartenbüchern, Sortimentskatalogen oder auf Pflanzenetiketten mit den
‚lateinischen’ Pflanzennamen konfrontiert wird.
Muss das wirklich sein?
‚Nein’, wenn man sich dauerhaft mit dem Anfängerstatus
zufrieden gibt. Für ein wenig Nebenbei-Gärtnern braucht man das ‚Fachvokabular’
definitiv nicht. Mit einem für Gärtner und Pflanzenverkäufer halbwegs
nachvollziehbaren deutschen Namen kommt man im Fachhandel überall weit genug,
um gelegentlich Pflanzen zu kaufen, oder um sich im Gespräch oder in der
Literatur über ihre Bedürfnisse zu informieren.
Unbedingt ‚Ja’, wenn man, an welcher Stelle auch
immer, in die Tiefe des Gärtnerns vordringen möchte. Wer Pflanzen sammeln,
vermehren oder gekonnt mit ihnen gestalten möchte, muss zwingend wissen, mit
wem er es jeweils zu tun hat. Bei 13 Asternarten und noch einmal so vielen
Sorten etwa, braucht man für Kauf oder Bestellung, für Vermehrung oder Pflege,
die Sicherheit, dass Anbieter und Käufer, Schreiber und Leser, tatsächlich
immer vom Gleichen sprechen.
Sprechen wir also vom ‚botanischen’ Pflanzennamen,
denn das ist der Überbegriff, während der ‚lateinische’ Name nicht selten in
Wirklichkeit griechische, arabische, chinesische oder vermischte Sprachwurzeln
hat.
Also, wie geht das? Wie liest man botanische Namen?
Ein Beispiel:
Aster dumosus ‚Herbstgruß vom
Bresserhof’
Aster. Als vorgestellter, erster, groß geschriebener
Bestandteil des botanischen Pflanzennamens, bezeichnet Aster die sogenannte Gattung. In
diesem Fall ist ausnahmsweise der botanische Name mit dem deutschen identisch.
Über der Gattung steht übrigens die zumeist aus mehreren Gattungen bestehende
Pflanzen-Familie. Im Falle der Astern: die Familie der Korbblütler.
dumosus. Klein
geschrieben, erklärt dumosus das
Spezifische dieser Art im Verhältnis zu anderen Pflanzen der
Gattung. Erst die Kombination beider Namen aber, bildet die eigentliche
Pflanzenart.
‚Herbstgruß vom Bresserhof’. Hier
verlassen wir die wissenschaftliche, auf Carl von Linné zurückgehende Botanik
und bewegen uns auf rein gärtnerischem Feld. In ‚Anführungszeichen’ stehen
nämlich die planvoll ausgelesenen, oder bewusst gezüchteten Pflanzen-Sorten.
Wer einmal ein blühendes Aster dumosus Sortiment gesehen hat, weiß warum der Gärtner vor allem auch die Sortennamen kennen sollte. Denn da stehen verschieden
nuancierte blaue, violette, rosa oder weiße Sorten gleich nebeneinander und
doch handelt es sich immer um dieselbe Art!
Alles klar? Klingt leider ein wenig abstrakt! Richtig
spannend, bunt und manchmal geschichtenträchtig wird es, wenn man mit Hilfe
eines geeigneten Buchs den Begriffsbedeutungen der botanischen Namen nachspürt.
Ein paar Beispiele:
Gattungsname deutscher
Name Übersetzung
Calluna Sommerheide gr.
kallynein, reinigen
(Zweige dienten als
Besenreisig)
Myosotis Vergißmeinicht gr. myos Maus,
otos Ohr
(kurz
behaarte Blätter)
Narcissus Osterglocke gr. narkaein, betäubt
werden (vom Duft)
Sempervivum Haus/Dachwurz lat. semper, immer,
vivus,
lebendig
Saxifraga Steinbrech lat. saxum, Fels
frangere, brechen
(Wurzelkraft)
Artname Übersetzung
admirabilis bewundernswert
backebergiana nach
dem Kakteenforscher Backeberg
elatior höher
officinalis in
Apotheken (‚Officin’) benutzt
pinnatus gefiedert
scariosus klapperdürr